Bösartige Knabbereien

Ein Wechselbad der Gefühle bei uns und viele Sorgen: Abwarten kann einen wahnsinnig machen.

Als Optimisten gingen wir davon aus, dass die OP und das Wachwerden danach der schwierigste Teil der Behandlung sein würde. Schließlich kann man als Mensch seinem Tier nicht erklären was passiert. Wir können zwar viele Gefühle vermitteln und uns sicherlich auch bis zu einem gewissen Punkt „unterhalten“, bei der Erklärung, was Krebs und eine Operation sind, überfordert uns aber unsere Körpersprache.

Nun denn, diesen Tag bekamen wir irgendwie herum und auch die Nacht endet irgendwann. Umso schöner war es, 24 Stunden später von einem Wuselglück begrüßt zu werden, das die Beine kaum still halten kann und Ausschau nach der nächsten Party hält. Nein, große Runden sind gewiss nicht drin, nur kleine Episoden um die notwendigen Geschäfte zu erledigen. Das hatte Bailey zwar nicht ganz verstanden („Hey, wollen wir nicht mal wieder Charly, Sam und Rusty besuchen?“), aber akzeptierte es. Da hatte sie schon mehr Probleme mit dem Body, den sie als Schutz anziehen musste. 

In Serien ist es meistens so, dass sich eine vermeintlich positive Geschichte plötzlich in die falsche Richtung verlagert. Manchmal bildet Fiktion die Wirklichkeit ab: Samstag bemerkten wir, dass vermehrt Wundflüssigkeit austrat. Obwohl die Wunde gut aussah, nässte sie ein wenig. Ein kurzes Gespräch mit dem Tierarzt führt zu dem Ergebnis, dass auch die kleinen Strecken wohl schon zu viel für Bailey waren. Da haben wir es zu gut gemeint. Okay, also erstmal nur noch Garten. 

Von uns unbemerkt tüftelte dann Sonntagnacht Bailey an sich herum und kontrollierte offenbar in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit (oder des zu tiefen Schlafs von uns), was da an ihrem Bauch vonstatten gegangen war. Wir trauten unseren Augen nicht, als Montag bei der Nachkontrolle uns die halbe Wunde ohne Naht anglotzte. Gewebe links und rechts standen Spalier um den Wundraum zu betreten. Wir konnten uns zwar bald erschließen, dass nicht Eiter, sondern Fettgewebe eine gelbe Furche entlang Baileys Bauch bildete, dennoch war dies ein gruseliges Erlebnis. Weiche Knie hatte mit einem Mal nicht mehr nur unser Hund. Der interessante Teil ging denn leider an uns eher wie in einem seltsamen Traum vorbei: Die Wunde wurde lediglich mit einer speziellen Flüssigkeit gespült und desinfiziert. Als Nicht-Fachleute für uns sehr irritierend, aber gehen wir mal davon aus, dass ein Tierarzt auch weiß, was er macht. A propos Vertrauen: Der tiefe Blick in Baileys ängstliche Augen während dieser Behandlung werden wir nienienie vergessen können.

In 48 Stunden wissen wir, wie es weitergeht. Hat die Behandlung (und die anschließende Ruhe) genügt, damit die Wunde heilt? Oder müssen wir nochmal mit Bailey eine OP wagen? 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.