Der Übernachtungsgast (I)

Beinahe sieben Jahre haben wir gewartet, bis es einfach nicht mehr anders ging und wir Bailey eine Nacht ausquartieren mussten. Seltsame 24 Stunden für uns alle…

Zuvor

Als wir vor der Entscheidung standen, unser Rudel mit einem Hund zu vervollständigen, war uns klar, dass wir uns auch einschränken würden und versuchen wollen, unser Tier möglichst überall mitzunehmen. Nach Baileys Einzug konnten wir uns auch daran halten, nur gelegentlich brachten wir unsere Madame tagsüber zu den Großeltern, wenn wir länger außer Haus sein würden. Doch am Abend holten wir sie stets ab.

12 Uhr

Die Handwerker sind mitten in ihrer Arbeit, Bailey liegt genervt auf ihrem Kissen inmitten des größtmöglichen Chaos. Wie verabredet kommt Anja vorbei. Mit dem Stichwort „Gassi“ springt unsere Wuchtbrumme schwanzwedelnd auf und verlässt begeistert das Haus. Dass wir heimlich eine Tasche für sie gepackt haben, bekommt sie nicht wirklich mit. Doch als sie in einem fremden Auto sitzt und merkt, dass Herrchen nicht mitkommt, wirkt sie etwas irritiert. Herrchen auch.

13 Uhr

Eine neue Wiese! Neue Düfte! Matsch und Pfützen! Und Layka, nicht gerade Busenfreudin aber akzeptiert. Was für eine tolle Gassirunde und vermisst werden die Zweibeiner kein bisschen, es gibt zu viel zu schnuppern und die Ballschleuder ist auch dabei.

Einige Kilometer entfernt packen die Handwerker ihre Sachen. Flur und Küche können nicht mehr betreten werden, weil die Ausgleichsmasse, die dort ausgebracht wurde, erst acht bis zehn Stunden trocknen muss. Es bleibt ein wildes Durcheinander, aber es wird ruhig im Haus. Ungewohnt ruhig.

14 Uhr

Ach, hund fährt gar nicht nach Hause? Na, egal, es gibt gerade was zu futtern und – Überraschung! – Baileys Kissen ist mitgekommen, so dass hund mit vollem Bauch und nach einem langen Spaziergang zufrieden einschläft.

Einige Kilometer entfernt legen sich Herrchen mangels Alternative auf die Couch. Wie lange ist das letzte Mal eigentlich her, wo Gelegenheit für ein Mittagsschläfchen war?

15 Uhr

So eine neue Umgebung muss auch inspiziert werden. Und kuck!, Layka hat ja auch ein Kissen. Das muss natürlich beschnüffelt werden. Ob das zarte Hinterteil unserer Dicken da drauf passt? Vorsichtig wiegt sich Bailey eine Kuhle in den Schaumstoff. Und da Layka keine Besitzansprüche stellt, plumpst kurz darauf der ganze Hund ins Kissen. Gut, nicht der ganze, aber immerhin teilweise. So geht Platztausch unter Hunden!

Einige Kilometer entfernt wachen Herrchen erschrocken auf und stellen fest: Zeit zum Gassigehen! Ach nein, das fällt nach beinahe sieben Jahren zum ersten Mal aus. Ja, schon komisch, dass keiner stupsen kommt. Andererseits, man kann sich nochmal strecken und ein paar Minuten die Augen schließen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.