Muttergefühle

Dass Bailey während der Hitze spinnt, nun, daran haben wir uns gewöhnt. Da ist Madame träge, äußerst wählerisch was das Futter angeht (wohlgemerkt, sie ist noch immer ein Labrador!) und macht uns auch sonst klar: Chef, ich nix verstehe, ich voll mit Hormone.

Wir freuen uns also stets auf die „Zeit danach“. Doch beim letzten Mal war alles anders: Bailey trottelte nur noch träge durch die Gegend, verschmähte ihr Futter Mahl zu Mahl und nervte uns mit ihrem neuen Selbstverständnis, 23 Stunden Schlaf am Tag seien nicht genug. Und dann diese anhängliche Unselbständigkeit!

Das gerade frisch gekauften Futter kannste selber essen.

Trotz sommerlicher Temperaturen lag Bailey mit engstem Körperkontakt als Heizkessel im Bett. Kaum aufgestanden und gegähnt, legte sie sich wieder hin, beim gemeinsamen Gassigehen lief sie gelangweilt hinterher, statt herumzuwuseln. Kein Interesse an nix. Und beim Futter: Nein, das mag Madame nicht. Und das auch nicht. Und den gerade frisch gekauften Futtersack kannste selber essen.

Mitten im sich Sorgen machen entdeckten wir dann endlich des Rätsels Lösung: Bailey leckte sich  auffällig oft an Bauch und Zitzen. Wir schauten nach und stellten fest: Milcheinschuss. Ein Besuch beim Tierarzt machte klar: Unser Wonneproppen ist scheinschwanger.

Vier bis neun Wochen nach der Läufigkeit tritt häufig eine Scheinschwangerschaft bei unkastrierten Hundemädels auf und ist ein Hinweis auf die Abstammung des Hundes vom Wolf: Bei einem solchen  Rudel wirft stets nur die Leitwöflin Welpen. Manchmal verfügt sie aber nicht über genug Milch, um den gesamten Nachwuchs aufzuziehen. Zudem wird sie zur Führung und Jagd gebraucht. Daher beginnen die anderen Wölfinnen ebenfalls Milch zu produzieren, um die Kleinen gemeinsam säugen zu können.

Leichte Scheinschwangerschaften gehen so unauffällig vorbei, dass der Besitzer die eingebildete Mutterliebe gar nicht mitbekommt. In anderen Fällen ist der Besuch beim Tierarzt sinnvoll, gerade auch, um andere Krankheiten ausschließen zu können.

Stand heute: Dank Tropfen, von denen sich Bailey zum Glück nicht übergeben musste und auch sonst keine Nebenwirkungen festzustellen waren, ist unsere Wuchtbrumme wieder genauso hampelig wie wir sie kennen. Und das im positivsten Sinne!

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