Fehlerteufel

„Ach, ist Eure Bailey so brav,“ bekommen wir immer wieder mal gesagt. Ja, sowas hört man gern. Aber es stimmt nicht so ganz. Natürlich sind wir ganz zufrieden (und auch ein wenig stolz), wie sich unsere kleine Wuchtbrumme verhält und benimmt, dass sie gut sozialisiert ist, sich abrufen lässt und ein „Nein“ akzeptiert. Aber wir dürfen nicht der Versuchung erliegen, uns auf den Lorbeeren auszuruhen – denn ruckzuck schleicht sich der Fehlerteufel ein und der ist menschgemacht.

Selbstverschuldete Probleme

Wer kennt das nicht: Beim Gassigehen ist man nicht immer zu hundert Prozent bei seinem treuen Vierbeiner, sondern in Gedanken, im Gespräch oder anderweitig abgelenkt. Hund bekommt das mit und auf ein „Komm!“ wird erstmal in Ruhe zu Ende geschnuffelt, statt sofort loszulaufen. Und wir lassen es ihr durchgehen, aus Bequemlichkeit oder weil es im Moment nicht schlimm erscheint, sie kommt schließlich irgendwann. Das ist an sich erstmal nicht tragisch. Es sei denn, es nähert sich ein Auto. Oder ein Fußgänger, der Angst vor Vierbeinern hat. Dann hat sich der Fehler aber auch schon eingeschlichen und es wird peinlich, hektisch und / oder gefährlich. Dieses Verhalten wieder abzutrainieren, ist deutlich anstrengender und arbeitsintensiver als bei sofortiger Gegenwirkung. Aber: Der Schlendrian hält zunächst kaum merklich Einzug und offenbart sich immer zu spät als Problem.

Fremdverschuldete Probleme

Es ist ja meistens freundlich gemeint und gut  gedacht, leider aber nicht gut gemacht: Wildfremde Leute zaubern plötzlich ein Leckerlie aus der Tasche, weil sie Hunde lieben, und locken den Vierbeiner an. Was lernt hund dabei? ALLE fremde Menschen haben IMMER was Tolles dabei, „tschö, Chef, hund geht mal da vorne gucken“. Nein, das ist kein putziges Verhalten, denn nicht jeder will angebettelt und angestupst werden oder eine führerlose Hundebegegnung erleben. Ganz zu schweigen von den Gefahren der freilaufenden aber minderhirnversorgten Giftköder-Soziopathen.

Oder letztens im Baumarkt: Wir üben mit Bailey schönes an-der-Leine-gehen, als urplötzlich eine Frau mitten im Gang stehen bleibt, sich umdreht und mit Schmatzlauten und reibenden Fingern Bailey zu sich lockt. Unsere Madame springt darauf natürlich direkt an. Was machen wir? Mitten im Markt ein deutliches „Nein!“ rufen und hund in den Sitz neben uns bringen. Irritiert fragt die Frau, ob sie den hund nicht streicheln dürfe. Äh, nein, jetzt nicht. Und wir müssen Bailey wegen ihrem Verhalten schimpfen weil sie einfach aus dem Kommando Fuß ausgebrochen ist. Das nächste Mal uns einfach VOHER fragen. Schönen Tag noch.

Ewiges Lernen

Klar, ein Hund ist kein Roboter und muss (im privaten Bereich) nicht gedrillt oder dressiert sein. Ein Grundgehorsam sollte aber schon  vorhanden und eingeübt sein. Doch auch danach gilt: Das unkomplizierte Zusammenleben zwischen Zwei- und Vierbeiner funktioniert eben nur, wenn wir uns gegenseitige Aufmerksamkeit schenken. Andererseits haben wir uns doch auch für unseren Gefährten entschieden. Da sollte uns die Investtion von ein bisschen Zeit unser Freund auch wert sein. Und an den Kleinigkeiten müssen wir eben gemeinsam arbeiten. Und für alle anderen: Wer fragt, darf auch gerne unsere Dicke knuddeln.

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