Giftköder.

Seit 2014 präsentiert sich unsere Fellnase mit einer eigenen kleinen Facebook-Gruppe, in der wir auf interessante Links oder neue Beiträge hinweisen. Oder aber auch Giftködermeldungen für unsere Umgebung absetzen. Diese sind in den letzten Wochen jedoch exorbitant angestiegen, so dass wir kaum noch etwas anderes veröffentlichen konnten. Was ist da los?

Rasierklingen oder Stücke von Cuttermessern in Wurststücken. Glasscherben und Nägel in Wurst- und Käsewürfel. Mit Rattengift versetzte Leckereien. Sie werden überall gefunden: In der Stadt. Auf Wald- und Wiesenwegen. Manchmal sogar auf dem eigenen Grundstück eines Hundebesitzers. Und offenbar flächendeckend. Seit diesem Frühjahr erfahren wir mehrmals die Woche von Ködern, vor denen wir warnen und uns freuen, dass wir mit unserer kleinen Gruppe dank der „Teilen“-Möglichkeit regelmäßig viele Hundehalter erreichen können und damit hoffentlich einige traurige Geschichten abwenden können.

Bei der Masse an Meldungen kommen wir aber auch ein wenig ins Grübeln: Verschaffen wir unfreiwillig diesen Soziopathen eine Öffentlichkeit, an der sie sich erfreuen? Sollten wir also keine Warnmeldungen herausgeben? Schüren wir eine Panikwelle mit an? Schon geraten erste Menschen in Alarmstimmung und setzen Postings ab, in denen Omas und andere „Verdächtige“ beobachtet wurden, die auffällig an einem Gestrüpp standen und womöglich gerade Vergiftetes versteckten. Tierärzte wiederum wiegeln ab und stellen keine erhöhte Zahl von vergifteten tierischen Patienten fest. Wird in Zeiten von Shitstorms, Social Media und Blutdruckpresse nur etwas heißer aufgekocht als notwendig?
Dem gegenüber stehen die schlimmen Geschichten, die wir erfahren. Da ist der kleine Freund, der kurz vor einer Operation schon auf dem Weg zum Tierarzt ist und auf diesen Metern einen Giftköder aufschnappt, an dem er später qualvoll sterben wird. Eine andere kleine Stupsnase tollt auf dem Grundstück von Frauchen und Herrchen umher, ihr unberührtes und bereitgestelltes, eigenes Revier, als plötzlich etwas über die Gartenmauer geworfen und neugierig verspeist wird, um am Abend vor den Kindern innerlich zu verbluten und einen grausigen Tod zu sterben.
Ja, unsere Hunde sind Teil unserer Familien und wenn uns diese heimtückisch genommen werden, ist das schrecklich, traumatisch, trifft uns mitten ins Herz. Du musst Hunde nicht mögen (sie bellen, sie machen Dreck, manche kacken auf den Gehweg und die Besitzer sind unfähig, dies wegzuräumen). Ist okay, vermutlich mögen wir Hundehalter Dich auch nicht. Wer sich aber am Leiden ergötzt, ist ein Psychopath (weitestgehendes oder völliges Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen) oder ein Soziopath (geringe Frustrationstoleranz, Neigung zu aggressivem und gewalttätigem Verhalten), such Dir was aus. Und so jemand ist auf einem Weg, an dessen Ende nicht nur das Vergiften und Quälen von Tieren steht.
Wir haben uns entschieden. Und weiterhin Warnmeldungen weitergeben, in einem möglichst sachlichen Tonfall ohne zusätzlichen Erregungsfaktor. Denn ehrlich: „Wenn ich so einen erwische, zwinge ich ihn sein eigenes Zeug zu fressen und lache, während er krepiert,“ zeugt zwar davon, dass das Thema wütend macht, zeigt aber auch die Verzweiflung und Verständnislosigkeit, die uns befällt – und auch unsere Hilflosigkeit. Wir würden niemanden zwingen, den Mist selbst zu essen (abgesehen von den rechtlichen Konsequenzen). Wir sind bessere Menschen, mit einem gesunden Geisteszustand, den man den köderverteilenden Vollpfosten absprechen darf. Und wir müssen und werden wachsam bleiben. Und die Polizei hinzuziehen.
Ein Thema, das uns wohl noch beschäftigen wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.