♪♫♪ Heiß heiß, Bailey ♪♫♪

Pünktlich am 1. März tröpfelte Bailey vorsichtig aufs Laminat im Esszimmer. Damit war uns klar: Die kleine Wuchtbrumme ist also mal wieder heiß. Wie angekündigt (besonders liebesbedürftig und anhänglich) und zu erwarten (die sechs Monate Latenzzeit waren schon lange vorbei). Also wurde der Wischmob bereitgestellt, alle halbe Stunde das Haus durchgewischt und Bailey mit viel Zuneigung bedacht.

Natürlich müssen wir in diesem Zeitraum nicht nur unsere 1630-Gassigruppe im Stich lassen, auch sonst suchen wir eher wenig gassibegangene Wege, um nicht jedem Rüden den Kopf zu verdrehen und den hormonellen Bluteinschuss außerhalb von Hirn und Denkvermögen zu vermeiden. So viel Rücksicht unsererseits darf man selbstverständlich nicht vom Gegenüber erwarten. Das ist nix Neues, aber zu Hitzezeiten durchaus besonders nervig.

Zum Glück laufen Hundebegegnungen mehrheitlich gesittet ab: Man sieht den entgegenkommenden Mensch mit Hund, holt sein Tier zu sich und gibt erst nach kurzer Absprache seinen Vierbeiner frei – oder eben nicht. Schon zu normalen, hitzefreien Zeiten sind wir nicht begeistert, wenn fremde Hunde auf uns zustürmen und Herrchen oder Frauchen in mühsamen Kriechtempo hinterherwackeln und versuchen, ihren Vierbeiner wild gestikulierend und wortreich zu sich zu holen. Wobei diese meist wenig erfolgreichen Versuche schon positiv gewertet werden müssen. Viele haben es leider längst aufgegeben, das unkontrollierte Herumtollen ihres Herrn Hundes zu unterbinden. (Übrigens wollen wir an dieser Stelle sehr wohl unterscheiden, ob ein Besitzer keinen Bock auf Erziehung hat oder ob ein Hund gerade austestet, vielleicht hierarchisch doch hoch genug zu stehen um selbst zu entscheiden, wohin er gehen kann.)

Für uns ist das jedoch echter Stress, schließlich gibt es eine Vielzahl an Gründen, warum wir gerade keine Spielstunde einlegen wollen, abgesehen davon, dass nicht jeder Hund gleich verträglich ist: Manchmal sind wir am Üben oder Joggen oder unser Hund ist krank (ein Hinkebein ist sichtbar, Milben aber nicht) oder wir wollen einfach nicht, dass unser Hund spielt, vielleicht auch wegen erzieherischer Maßnahmen. Ja, auch kein „die wollen sich ja nur begrüßen“. Und bitte keine Diskussion, was unser armer Hund alles nicht darf und dass wir keine Ahnung von Hunden haben. Lauf weiter, okay?

Nervig wird es denn aber, wenn der unkastrierte Rüde plötzlich auftaucht und juckig beginnt, Bailey nachzusteigen. Da kann man ja nach vorne rufen, „Achtung, sie ist heiß!“ wie man will, bestenfalls kommt ein: „Ach, der macht nix!“ zurück. Ist eigentlich allen Hundehaltern klar, dass der Herr Rütter diesen Spruch ironisch meint und nicht die erziehungsfreie Hundegesellschaft propagiert? Also legen statt des Besitzers WIR ein schnelleres Lauftempo an den Tag, um möglichst zügig den Entgegenkommenden zu erreichen und erklären nochmal: „Sie ist heiß!“ Dann wird es entweder hektisch und der arme Hund, der gerade seine ganze Manneskraft entdeckt, beinahe mit der Leine erwürgt, während diese ihm angelegt wird, oder ein leicht dümmlicher Gesichtsausdruck sieht uns noch lange nach (der ein oder andere kratzt sich dabei an Kopf oder Sack) und versucht nachzuvollziehen, warum wir wenig amüsiert einem rammelbereiten Tier begegnen. Diese Treffen können dann im Lauf der Zeit übrigens nach gleichem Schema mehrfach passieren, da lernt „Chico“ schneller, als dass Herrchen seine Trainingshose am Rutschen hindern kann.

Manchmal keimen auch Diskussionen auf (abgesehen zu den oben erwähnten). Beliebte Frage: „Warum kastrieren sie denn ihre Hündin nicht?“ Zum Einen, weil wir noch nicht abschließend entschieden haben, ob Bailey eines Tages Mama werden darf oder nicht. Zum Anderen, weil der krebsrisikoreduzierende Zeitpunkt verstrichen ist und ein Eingriff jetzt eher eine körperbelastende unnötige Geschichte darstellt. Weil wir es in Baileys Fall nicht wollen. Und weil es Sie, lieber Diskutant und selbstverklärter Hundeliebhaber, nix angeht. Ganz ehrlich: Warum haben sie denn ihren Rüden nicht unter Kontrolle?

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