Gut gemeint statt gut gemacht

Der heutige Artikel dreht sich um ein eher heikles Thema: Dem Umgang mit anderen Menschen. In den letzten Wochen haben wir Erfahrungen gemacht, die höchste Diplomatie erfordern. Grundsätzlich sei erwähnt, dass wir uns natürlich darüber freuen, dass Bailey bei Familie, Freunden, Nachbarn und auch wildfremden Leuten so positiv aufgenommen wird und in unserem Umfeld selten Ablehnung erfährt. Das ist toll und dafür vielen Dank an alle!

Kommen wir jedoch zum Aber. Bei nahezu jedem Spaziergang passiert ähnliches: Menschen bleiben stehen, gehen in die Hocke und rufen: „Och, wie süüüüüüüüüß!“ und am Besten folgt dem ein: „Ja, komm doch mal her, uuuuiiiiiiiiii!“. Die Stimmlage darf man sich dabei zum Satzende hin schrillerwerdend vorstellen. Und natürlich kann man sich unseren Welpen freudestrahlend die Richtung wechselnd dazu denken – nämlich in Richtung der freundlichen Person. Nun gibt es an dieser Situation gleich mehrere Dinge, die bei Herrchen die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Bailey kommt natürlich – ganz egal, ob die Person zwei Meter entfernt ist oder auf der anderen Straßenseite. Das ist für alle Beteiligten schlichtweg gefährlich. Außerdem: Woher nimmt sich eine fremde Person das Recht, einen ihr unbekannten Hund zu locken und zu streicheln? Woher weiß die Person, dass unser Hund nicht bissig ist? Wieso lassen Eltern ihre KLEINKINDER auf für sie nicht einschätzbare Hunde zulaufen? Und: Wir haben einen Welpen, den wir gerade anfangen zu erziehen und ihm beibringen müssen, sich auf uns zu fixieren. Wie soll Bailey an der Leine laufen, wenn sie ständig gelockt wird? Wie soll sie vor allem lernen, dass sie nicht einfach so zu jedem Zweibeiner gehen kann, es soll ja auch solche geben, die Angst vor Hunden haben?!

Leckerlies sollen übrigens eine Belohnung sein und kein Häppchen für zwischendurch, das damit seinen Reiz verliert, egal, wie lieb sie kuckt. Und leider gibt es genügend Giftköder-Verteiler, so dass wir letztlich Bailey zeigen MÜSSEN, nicht alles anzunehmen. Und es entspannt uns, den Besuch und Bailey sehr, wenn unser Hund nicht in hysterischen Stress verfällt, wenn es an der Tür klopft. Auch das müssen wir ihr beibringen: Besuch knuddelt sie gerne, aber der Besuch kommt nicht exklusiv nur zu ihr zur Bespaßung (selbst wenn das die Wahrheit wäre).

Was passiert, wenn zwei angeleinte Hunde miteinander spielen? Sie verheddern sich zwangsläufig, was im schlechtesten Fall zu ernsthaften Verletzungen führen kann. Daher finden wir den Gedanken, den wir aus der Hundeschule kennen, mehr als richtig: Ist der Hund frei, darf er Toben, ist er angeleint, gilt für den Hund bei Herrchen zu bleiben und eben nicht spielen zu dürfen. Wir können gar nicht aufzählen, wie oft wir anderen Hundehaltern begegnen, die uns den tollen Tipp geben: „Ach, lassen sie ihren doch kommen, die spielen ja nur.“ Und auch der Ratschlag, mitten im Biergarten die Hunde doch abzuleinen, damit sie besser aufeinander zustürzen können, ist maximal kurz wenn überhaupt gedacht. Herrschaften, sozialisiert eure Hunde bitte anderweitig.

Bitte nicht falsch verstehen, es ist nicht böse gemeint. Wir freuen uns über jeden netten Kontakt und jede freundliche Reaktion auf den Hund. Nur leider ist es eben so: Gut gemeint ist nicht auch gut gemacht.

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